Seit 25 Jahren nebenbei selbstständig, warum der Einstieg ins Einzelunternehmen oft einfacher ist als gedacht und worauf es wirklich ankommt.
25 Jahre ist es inzwischen her. Damals habe ich aus einer Idee heraus mein „Unternehmen“ gegründet – sprich: ein Gewerbe angemeldet. Bis heute betreibe ich es nebenbei. Viel hat sich in dieser Zeit verändert, nur eines nicht: Der Spaß an der Sache ist geblieben.
Gerade in wirtschaftlich unsicheren Zeiten kann ein eigenes Gewerbe eine echte Alternative oder zumindest ein kleines Sicherheitsnetz sein. Man kann sich ausprobieren, sammelt Erfahrungen, verdient im besten Fall noch etwas Geld dazu und lernt eine Menge.
Gewerbe anmelden: einfacher als gedacht
Ein Gewerbe anzumelden ist überraschend unkompliziert. In der Regel geht man einfach zur zuständigen Gemeinde, füllt ein Formular aus und zahlt eine Gebühr von rund 50 Euro.
Danach läuft vieles automatisch: Die Anmeldung wird an verschiedene Stellen weitergegeben. Man bekommt Post vom Finanzamt und von der Berufsgenossenschaft. Das klingt erst einmal nach viel Bürokratie, ist aber halb so wild.
Die Berufsgenossenschaft wird erst relevant, wenn man Mitarbeiter beschäftigt. Das Finanzamt möchte zunächst nur wissen, was man ungefähr verdienen will – unter anderem wegen der Umsatzsteuer.
Wer nebenbei startet und unter 22.500 Euro Jahresumsatz bleibt, kann die Kleinunternehmerregelung nutzen und sich von der Umsatzsteuer befreien lassen. Das vereinfacht den Einstieg deutlich.
Nebenjob und Arbeitgeber: lieber offen damit umgehen
Die Frage kommt oft: Muss ich meinen Arbeitgeber informieren?
In den meisten Fällen lautet die Antwort: ja und es ist auch sinnvoll. Ein Nebengewerbe lässt sich in der Regel nicht verbieten, solange keine direkte Konkurrenz zum Hauptjob besteht.
Wer im Hauptjob Versicherungen verkauft und nebenbei das Gleiche anbietet, wird vermutlich Probleme bekommen. In meinem Fall war das unkritisch: Hauptberuflich bin ich im Softwarebereich tätig, mein Nebengewerbe hat aber eine andere Ausrichtung, auch wenn ich hier auch Software entwickle.
Buchhaltung: klein starten, sauber bleiben
Die Buchhaltung ist am Anfang überschaubar. Für viele reicht eine einfache Einnahmen-Überschuss-Rechnung, notfalls sogar in Excel.
Ich würde aber relativ früh zu einer Steuersoftware raten. Programme wie „Tax“ von Buhl kosten nicht viel und nehmen einem viel Arbeit ab, inklusive Steuererklärung und elektronischer Übermittlung.
Der Vorteil: Wenn das Gewerbe wächst, hat man von Anfang an eine saubere Struktur und kann problemlos skalieren. Themen wie Abschreibungen lassen sich damit deutlich einfacher und vor allem korrekt abbilden.
Alternativ kann man natürlich einen Steuerberater beauftragen, das kostet mehr, spart aber Zeit.
Wichtig ist in jedem Fall: Belege ordentlich sammeln und aufbewahren. Das erspart später viel Stress.
Geschäftskonto: klare Trennung von Anfang an
Gerade am Anfang ist die Versuchung groß, einfach das private Konto zu nutzen. Ich kann nur davon abraten.
Ein separates Geschäftskonto für Einzelunternehmer sorgt für eine saubere Trennung zwischen privaten und geschäftlichen Finanzen. Heute gibt es dafür unkomplizierte Lösungen, etwa ein passendes Geschäftskonto für Einzelunternehmer, die speziell auf Selbstständige zugeschnitten sind.
Spätestens wenn das Finanzamt einmal genauer hinschaut, ist man froh über diese Trennung und erspart sich unnötige Diskussionen.
Aller Anfang ist schwer
Wie es weiter geht? Nun das hängt vom Gewerbe ab. Eine Homepage schadet nicht um gefunden zu werden. Ansonsten ist oftmals etwas Geduld angesagt. Viele Dinge entwickeln sich erst mit der Zeit. Ich bin vorwiegend im Internet unterwegs und musste feststellen, dass in dem See viele Fische schwimmen. Ausdauer und Beharrlichkeit zahlen sich aus.

Aller Anfang ist schwer und dann wird es besser
Wie es weitergeht, hängt stark vom jeweiligen Gewerbe ab. Eine eigene Website kann helfen, sichtbar zu werden. Ansonsten braucht es vor allem Geduld.
Ich bin überwiegend im Internet unterwegs und habe schnell gemerkt: Der Markt ist voll. Konkurrenz gibt es immer. Umso wichtiger sind Ausdauer und ein langer Atem.
Viele Dinge entwickeln sich nicht über Nacht. Aber wer dranbleibt, wird in der Regel belohnt.
Fazit
Ein Einzelunternehmen zu gründen ist kein Hexenwerk. Der Einstieg ist unkompliziert, die Kosten sind überschaubar und das Risiko lässt sich gut kontrollieren.
Wenn ich heute noch einmal anfangen würde, würde ich vieles genauso machen, nur ein paar Dinge früher strukturierter angehen. Unterm Strich bleibt: Einfach machen. Der Rest ergibt sich oft unterwegs.Zum Block-Editor wechseln
