So negativ beeinflussen europäische Staaten die Glücksspiel Gesetzgebung

Der 1. Juli 2021 geht als denkwürdiger Tag für die Geschichte des Glücksspiels in Deutschland ein. An diesem Tag trat der Glücksspielstaatsvertrag in Kraft und mit ihm eine gewaltige Welle der Veränderung für Glücksspielanbieter in Deutschland. Doch vergleichsweise mit anderen europäischen Ländern ist Deutschland noch recht mild verfahren. Sind es die negativen Beispiele Europas, die den Druck auf Deutschland erhöhen? Sind es die harten Restriktionen von Ländern wie Frankreich, die auch hierzulande für verstärkte Gesetze sorgen?

Ein Pokertisch, auf dem mehrere Chips, Karten und Hände der Spieler liegen
Manchmal, aber nicht immer, führt die Freude am Glücksspiel in eine Sucht.

In Deutschland wird Online-Glücksspiel legal

Es war ein Tag zur Freude für alle, die sich der Glücksspielbranche zugehörig führen und die aufgrund der Gesetzgebung in Deutschland zur Illegalität gezwungen waren. Der 1. Juli 2021 rückte eine komplette Branche aus der dunklen, verbotenen Ecke ins Licht der Legalität. Doch damit gibt es auch eine ganze Menge neue Regeln für Online Glücksspiel in Deutschland.

Im ersten Moment erschien es wie ein Befreiungsschlag, doch was bedeutet es für Spieler und Casinos effektiv, dass Anbieter nun eine deutsche Lizenz erwerben können? In erster Linie eine ganze Menge Restriktionen und diese sind durchaus von anderen europäischen Ländern beeinflusst. Vor der Legalisierung gab es auch in Deutschland bereits eine große Anzahl an Gamblern, die in lizenzierten Casinos aus Malta, Gibraltar oder auch der Karibik spielten.

Länder wie Italien ergriffen Restriktionen, weil die Spielsuchtquote weit über dem lag, was in Deutschland von der Bundeszentrale für Gesundheitliche Aufklärung festgehalten wird. Frankreich verbot Glücksspiel gleich ganz und auch in Spanien feilt man zurzeit an der Ausarbeitung eines neuen, strengen Dekrets. Und Deutschland geht den Trend mit. Grauzonen, wie das Spielen in Casinos aus Malta und Co. sollen strenger tabuisiert werden, stattdessen möchte der Staat die Kontrolle erlangen, durch eigene Lizenzen und starke Eingriffe in den Spielablauf.

Was bedeutet der Glücksspielstaatsvertrag für Deutschland?

Roulette in Deutschland künftig verboten? Geht es nach dem Glücksspielstaatsvertrag, ist die Bereitstellung von Tischspielen wie Roulette, Baccara und Blackjack den hier lizenzierten Anbietern nicht mehr gestattet. Experten der Branche schütteln diesbezüglich den Kopf, denn nicht nur, dass das Automatenspiel bedeutend beliebter und damit auch potenziell gefährlicher für Spieler ist, der Eingriff ist aus ethischer Sicht zu tiefgreifend und einschneidend!

Ein interessanter Report auf timelaw.de hält fest, was schon lange ein Fakt ist und oft verkannt wird. Glücksspiel ist nur dann Glücksspiel, wenn sich beim Spiel auch tatsächlich ein Risiko ergibt. Genau hier steckt der Reiz des Glücksspiels für den Spieler. Wenn der Gewinn am Ende garantiert wäre, würde wohl kaum einer mit vollem Elan den Roulette-Tisch erobern und den Nervenkitzel genießen, wenn die Kugeln durch den Kessel springt. Selbst bei profanen Spielen wie Mensch ärgere dich nicht, bei denen es nicht um Geld geht, wäre ein garantierter Gewinn nur eins: Die Garantie dafür, dass das Spiel keinen Spaß mehr macht.

Der Glücksspielstaatsvertrag bedeutet für Spieler vor allem eins: Einschränkungen der gewohnten Spielweise. Nun kommt natürlich der positive Aspekt hinzu, dass durch den GlüStV legales Zocken möglich wird und das auch ein hohes Maß an Sicherheit mitbringt. Doch eben jene Sicherheit muss teuer bezahlt werden, durch Limits bei der Einzahlung, Gängelung beim Automatenspiel und den Verzicht auf beliebte Spiele wie Roulette und Blackjack.

Warum Einzahlungsgrenzen für Spieler utopisch sind

1.000 Euro darf jeder Spieler pro Monat für Online-Casinos ausgeben. Das sieht der Glücksspielstaatsvertrag vor, daran müssen sich Casinoanbieter halten. Überwacht werden soll das alles über eine zentrale Datei, die die Daten sämtlicher Spieler speichert. Über den Datenschutz soll an dieser Stelle einmal gar nicht gesprochen werden. Doch wie sinnvoll sind diese 1.000 Euro? Für Menschen, deren Einkommen auf geringem Niveau liegt, ist der Betrag deutlich zu hoch gegriffen. Für Menschen, deren Einkommen im mittleren bis gehobenen Bereich liegt, ist der Betrag eine Einschränkung, die unangemessen ist.

Die Begrenzung wurde gewählt, um Spieler davor zu schützen, sich durch ihre Spielsucht zu verschulden. Doch wer von einer Spielsucht betroffen ist, hat oft nicht einmal die 1.000 Euro im Monat zur Verfügung, die er offiziell einzahlen darf. Zwar greifen womöglich auch noch zentrale Sperrdateien, doch nicht immer erkennen Casinobetreiber, wenn ein Gambler ein problematisches Spielverhalten zeigt.

Somit ist das 1.000 Euro ein Limit, was bei echter Spielsucht, die übrigens deutlich seltener in Deutschland vorkommt als in Italien, nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Die Verschuldung findet dann eben auf Raten statt. Und für Menschen, die nicht unter Spielsucht leiden, aber genug Geld zur Ausübung ihres Hobbys zur Verfügung haben, ist es eine Einschränkung, die nicht immer freiwillig hingenommen wird. Theoretisch müssten dann auch Ausgaben in anderen Bereichen des Gamings, wie beispielsweise beim Spiel mit der X-Box, stärker kontrolliert werden, denn auch hier kann ein Suchtverhalten entstehen.

Treibt der Glücksspielstaatsvertrag Menschen in die Illegalität?

Es ist ein altes Phänomen, was sich schon seit Jahrhunderten bei Menschen zeigt! Wird ihnen etwas verboten, suchen sie sich Mittel und Wege, um dennoch zum Ziel zu kommen. Natürlich gibt es Gesetze und Vorschriften, die für eine funktionierende Gesellschaft wichtig sind. Diese beziehen sich aber in aller Regel darauf, anderen Mitgliedern der Gesellschaft nicht zu schaden. Bei den Vorgaben des Glücksspielstaatsvertrags wird Menschen jedoch verboten, nach eigenem Gutdünken ihr Spielverhalten zu kontrollieren.

Ein weitaus größeres Suchtpotenzial sehen Experten im Alkohol. Tatsächlich ist die Zahl der jährlichen Neualkoholiker auch in Deutschland erschreckend hoch. Staatliche Restriktionen, in Form von einem Verkaufsverbot an potenzielle Alkoholiker gibt es aber nicht. Zwar darf, sinnvoller Weise, kein Alkohol an Kinder und Jugendliche ausgeschüttet werden, doch Erwachsene dürfen sich ohne staatliche Kontrolle jederzeit bedienen, ohne Eingriffe von außen. Nicht einmal die Warnhinweise, die Sie auf Zigarettenpackungen finden, befinden sich auf Alkoholflaschen.

Warum also dieser Eingriff beim Glücksspiel, wo das Suchtpotenzial deutlich geringer ist als beispielsweise beim Alkohol? Eine Spielsucht ist einschneidend, Prävention ist wichtig und es gibt nichts, was kleinzureden wäre. Doch wie wahrscheinlich ist es, dass Spieler sich von strengen und zum Teil umstrittenen Vorgaben einschränken lassen? Ist die Wahrscheinlichkeit nicht deutlich höher, dass auf illegale und damit auch oft unseriöse Angebote zugegriffen wird? Ein reiner Ausschluss oder ein reiner Katalog von Restriktionen wird mit hoher Wahrscheinlichkeit nur wenig Einfluss auf die Rate der Glücksspielsucht in Deutschland haben.

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