Egal wie schön die Schutzbekleidung und wie oft die Warnhinweise da sind, Sicherheit fängt im Röntgen mit einem Ablauf an, der Verantwortung, Technik, Teamkommunikation und Dokumentation sauber zusammenführt. Ein stabiler Workflow reduziert nicht nur Wiederholungsaufnahmen, er schützt auch die am Röntgen beteiligten Mitarbeitenden und sorgt dafür, dass die Nachweise und Prüfprozesse im Praxisbetrieb nicht nebenher laufen, sondern verlässlich integriert sind.
Rollenverteilung und Qualifikation
Ein sicherer Ablauf beginnt mit eindeutigen Rollen. In der Praxis muss hier auf die Fragen geantwortet werden: Wer entscheidet über die Aufnahme? Wer positioniert? Wer löst aus? Wer prüft die Bildgüte? Wer dokumentiert? Sind Verantwortlichkeiten unklar, kommen die typischen Probleme: Aufgaben bleiben liegen oder werden doppelt gemacht, die Fehlerquote steigt im Stress.
Auch Qualifikation und regelmäßige Auffrischung müssen planbar sein. Statt Fortbildung als Einzelthema zu behandeln, hilft ein fester Prozess: Zuständigkeit, Terminlogik, Dokumentation der Nachweise. Bezugspunkt für die Organisation der eigenen Arbeit kann ein regelmäßiger Strahlenschutzkurs beim Tierarzt sein, in dem sich Ihr Team etwa jährlich über Neuigkeiten informieren und seine Rücklagen auf Vollständigkeit prüfen lassen kann.
Vorbereitung, Lagerung, Auslösen, Nachbearbeiten
Ein Röntgenworkflow wird stabil, wenn er in wenigen Schritten von jedem eingeübt werden kann. Vier Phasen genügen in der Regel.
- Vorbereitung
Aufnahmeziel und Region und Projektion klären, Seitenmarkierung sicherstellen und nötige Hilfsmittel bereitlegen. Die meisten Wiederholungsaufnahmen kommen zustande, weil nicht klar ist, was abgebildet werden soll, oder weil banales Fehlen wie Marker und Lagerungshilfen. - Lagerung und Strahlenschutzmaßnahmen
Hier entscheidet sich Bildqualität und Strahlenbelastung. Ein guter Standard sind kurze Routinen, die jedes Teammitglied kennt. Abstand halten, Aufenthaltszeit in der Nähe der Strahlungsquelle kurz halten, Abschirmung konsequent benutzen, keine Fremden im Raum. Wenn diese Punkte vor jeder Aufnahme kurz überprüft werden, reduziert sich die Anzahl hektischer Korrekturen erheblich. - Auslösen und unmittelbare Bildkontrolle
Nach der Aufnahme erfolgt ein kurzer Qualitätscheck: Hierbei werden Position, Belichtung, Artefakte und Markierungen überprüft. Sollte eine erneute Aufnahme notwendig sein, muss die Ursache klar erkennbar sein, beispielsweise eine falsche Projektion oder Bewegung. Ein „nochmal machen“ ohne präzise Anpassungen führt meist zu weiteren Wiederholungen. - Dokumentation und Ablage
Die Dokumentation sollte kurz, aber prägnant sein. Besonderheiten, Wiederholungen und relevante Abweichungen sollten in knappen Notizen festgehalten werden. Dies erleichtert Rückfragen, unterstützt die Einarbeitung neuer Mitarbeitender und bildet eine Grundlage für die interne Qualitätsverbesserung.
Technik und Qualitätssicherung: Um einem schleichenden Abfall der Bildqualität entgegenzuwirken
Zahlreiche Fehler entstehen nicht während der Aufnahme selbst, sondern durch allmähliche Veränderungen. Einmal ist ein Preset angepasst, einmal ist der Monitor anders eingestellt, einmal hat ein Kabelkontakt einen Schuss, einmal ist der Raum umgeräumt und so weiter.
Man merkt es oft erst, wenn es zum wiederholten Male Probleme gibt.
Ein fester Qualitätssicherungsrhythmus lohnt sich deshalb:
- Regelmäßige Sichtprüfung am Gerät, am Kabel, am Zubehör, am Marker
- Konstanzprüfungen nach festem Intervall
- Standardisierte Monitor und Viewer Einstellungen, damit die Befundung reproduzierbar bleibt
- Änderungen an Hard oder Software nicht einfach übernehmen, sondern kurz testen und dokumentieren
Wichtig ist die Organisation: Wer prüft wann wo es abgelegt wird. Wenn das fest im Kalender steht, wird es Teil des Betriebs und nicht eine Aufgabe, die nur dann stattfindet, wenn Zeit ist.
Nachweise ohne Verwaltungsfrust
Personenüberwachung funktioniert nur, wenn sie im Alltag einfach ist. Dosimeter müssen eindeutig zugeordnet, richtig getragen, regelmäßig gewechselt oder abgegeben werden. Hier hilft ein fester Standard mit wenig Interpretationsspielraum:
- Fester Aufbewahrungsort und Zuordnung pro Person
- Monatlicher Kurzcheck ob alle Dosimeter da und korrekt zugewiesen sind
- Vertretungsregelung, damit auch in Urlaubszeiten das nicht zum Erliegen kommt
- Kurze Unterweisung der neuen Mitarbeitenden direkt am echten Verfahren
Auch die Ablage der Dokumente ist ein häufiges Nadelöhr. Eine durchstrukturierte, einheitliche Ablage spart später Zeit. Sinnvoll ist eine Gliederung nach Gerätestatus, Teamqualifikation, Prüfprotokollen und Personendaten, damit bei internen Kontrollen oder Rückfragen keine Sucharbeit entsteht.
