„Ich bin Künstler, vertrau mir“ – der nächste fragwürdige Copyright-Hinweis

Da meldet sich ein „Independent Artist“ und behauptet, seine Musik würde in unseren Videos verwendet. Kleines Problem: Wir nutzen gar keine Musik.

„Ich bin Künstler, vertrau mir“ – der nächste fragwürdige Copyright-Hinweis
Man kennt es: Kaum lädt man ein Video hoch, flattert irgendwann eine Nachricht ins Postfach. Diesmal angeblich von einem „Independent Artist“, der sich Sorgen um seine Musik macht.

Klingt erstmal wichtig. Ist es aber eher nicht. Im Grunde wird die Masche regelmäßig unter neuen Namen aufgetischt.

Die E-Mail von isagupenav99@gmail.com

Greetings,

I wanted to contact you about an important issue concerning my track.

I saw my track being used in your video without prior consent.

As far as I understand, this use does not have my permission, and it may raise copyright concerns. I’ve already contacted YouTube support regarding this, and the matter is under review.

Please consider removing my track from the video as soon as you can.

Don’t hesitate to reach out if you have any questions.

Thank you for your time and understanding.

Warm regards,
Independent Artist

Aha. Welcher Track denn?

Was sofort auffällt:
Null Details.

  • Kein Name
  • Kein Song
  • Kein Video
  • Kein Zeitstempel
  • Kein echter Absender

Stattdessen: „Independent Artist“. Ja gut. Das hilft natürlich enorm weiter.

YouTube weiß normalerweise mehr als „Independent Artist“

Wenn wirklich ein Problem vorliegt, meldet sich nicht irgendeine Gmail-Adresse, sondern direkt YouTube:

  • Content-ID-Claim im Studio
  • Offizielle Copyright-Beschwerde
  • Klare Angaben zum betroffenen Inhalt

Hier? Nichts davon.

Klassischer Versuch: Verunsichern

Die Masche ist simpel:

„Da läuft schon was bei YouTube, kümmer dich besser schnell.“

Ziel: Dich dazu bringen, vorschnell zu reagieren, Inhalte zu löschen oder in einen Dialog einzusteigen.

Warum?
Weil aus der ersten Antwort oft der nächste Schritt folgt – mit Links, Forderungen oder weiteren „Problemen“.

Fazit

Das ist kein ernstzunehmender Copyright-Hinweis, sondern eher:

  • schlecht gemachter Spam
  • oder der Versuch, Aufmerksamkeit (und Antworten) zu bekommen

Solange YouTube selbst nichts meldet, kannst du die Mail getrost ignorieren.

Wer sich generell für solche Maschen interessiert:
👉 https://acapio.de/ – dort gibt’s regelmäßig Beispiele und Analysen rund um Scam, Phishing & Co.

Update – Kontakt mit dem Phisher

Phishing der YouTube-Zugangsdaten via: https://dmcahub.io/

Bereits hier wird es verdächtig, da wir ja mit einem Account geschrieben haben, welcher nichts mit unseren YouTube-Accounts zu tun hat. Wir klicken den Link an und laden auf einer Webseite. Hier sollen wir nun erstmal unseren Kanal eintragen. Schon recht interessant, einerseits weiß man von unserem Copyright vergehen, aber erstmal brauchen die unseren Kanal-Namen, ja nee ist klar!

Wir tragen mal spaßeshalber das ZDF ein und siehe da, man findet einen Copyrightverstoß! Gleichzeitig sollen wir uns mit unserem Google-Account einloggen. Nagut klicken wir auch das mal an!

Was folgt, ist eine gut gemachte Fake-Login-Seite von Google. Die Seite ist kein extra Fenster, wie es normalerweise der Fall ist, sondern direkt in die Seite eingebettet. Das grüne Schloss, der Link, alles Fake.

Wer hier nun seine Zugangsdaten eingibt hat ein Problem und übergibt den Google-Account den Phishern.

Zweites Fazit

Immer schon wachsam sein, eine echte Copyright-Meldung ist im Kanal selbst sichtbar. Sofern man seine Daten eingetragen hat, sollte umgehend seine Passwörter ändern und alle Logins abmelden, falls noch möglich. Die Chance ist leider hoch, dass der Account sofort übernommen wird.

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