Der Reiz von Online Spielen

Spielen per se

Das Spielen ist uns nicht nur sprichwörtlich, sondern im wahrsten Sinne des Wortes in die Wiege gelegt. Dies hat auch einen selbstverständlichen, tief sitzenden evolutionären Grund. Spielend entdecken wir als Neugeborener bis über das späte Jugendalter hinaus die Welt. Und manches Kind im Manne geht nie verloren. Das kindliche Spielen verfolgt dabei kein konkretes Ziel auf das es hinzu arbeiten gilt. Evolutionär betrachten hat es aber das Ziel mit Spaß und Freude die Welt kennen zu lernen, seine eigenen Grenzen kennenzulernen und Gefahren auszuloten. Insbesondere im gemeinsamen Spiel werden Kräfteverhältnisse untereinander ausgelotet, so dass hier die Grundsteine für die weitere Lebensstrategien gesetzt werden. Gewinnt man beim Raufen um die Schippe im Sandkasten, so findet man ggf. die Bestätigung und Anerkennung anderer, die eine durchsetzungsstarke Persönlichkeit benötigt. Das Kind, welches die Schippe bereitwillig hergibt, wird seinen Weg vielleicht in einem ressourcenoptimierten Leben finden nach dem Motto: „Was soll ich mich hier sinnlos anstrengen; der klügere gibt nach“. Trotz alledem bereitet das Spielen per se allen Kindern und Menschen Freude. Es ist auf der einen Seite das soziale Miteinander und auf der anderen Seite das Erreichen eines Zieles was im Raum steht, auch wenn das Resultat keinen konkreten Zweck erfüllt. Dies kann zum Beispiel die Kleckerburg am Strand sein, bei welcher das Lob des Papas folgt, wie schön diese geworden ist. Oder das Erklimmen eines Baumes um die Gefahren und Anstrengungen der Höhe zu bewältigen.

Parallelen des Online Spielens

Diese grundlegenden Eigenschaften sind so tief verankert, dass sie auch im Erwachsenenalter noch zu Tage treten. So findet man Sie wieder, wenn die Familie am Samstagabend zum Brettspiel zusammenkommt oder wenn die „Alten Herren“ in der Kneipe Skat kloppen. Daraus lassen sich auch entsprechende Parallelen zum Online-Spiel ziehen.

Es gibt verschiedene Arten, wie man online spielen kann. Dies können zum einen klassische Computer-Games sein, die man zum Beispiel in einem „Clan“ oder „Horde“ zusammen übers Internet spielt. Typischer Vertreter ist World of Warcraft. Es kann ein klassisches 1-zu-1 Spiel sein, wie z.B. Schach, welches man online gegen einen Gegner spielt oder man versuch sich in einem Glücksspiel, wie gametwist. Hier begibt man sich in ein virtuelles Casino und muss dafür nicht einmal bis Las Vegas reisen. Bei allen drei Variationen des Online-Spielens sind die Parallelen zum kindlichen Spielen offenkundig:

  1. Es gibt ein Ziel, welches erreicht werden muss. Beim Schach ist es den Gegner Schach matt zu setzen. Beim Online Casino ist es der in Aussicht gestellte Gewinn.
  2. Es ist ein großer Anteil an Zufälligkeit enthalten: Beim Schach entsteht die Zufälligkeit durch die vielen schier unendlichen Kombinationsmöglichkeiten und der Unberechenbarkeit des Gegners. Im Glücksspiel ist die Zufälligkeit inhärent einkalkuliert. Es besteht also auch immer der Reiz, ob einem das Glück hold ist.
  3. Durch Übung und Training kann man sich einen Vorteil erschaffen: Dem Glück kann man in den meisten Spielen durch Übung, Training, geschickter Beobachtung und strategischem Denken nachhelfen. Unser Beispiel Schach ist dafür prädestiniert. Durch bestimmte Eröffnungszüge und weitsichtigem Denken bei viel Erfahrung, kann man sich wesentliche Vorteiler erschaffen. Im Online-Casino klappt das nicht ganz so gut. Um hier vorteilhafte Erkenntnisse zu gewinnen, muss man ebenfalls gut und viel beobachten und die Regeln der Statistik und Stochastik erlernen. So gelingt es auch bei Glücksspielen und Lotterien erkenntnisreiche Rückschlüsse zu ziehen.
  4. Es gibt ein Risiko: Wo bleibt der Reiz, wenn nicht mindestens ein kleines Quäntchen Gefahr im Spiel lauert. Mal von realen physischen Verletzungen abgesehen, besteht bei den meisten Spielen die Gefahr des Verlierens. Es ist überspitzt gesagt die „gesellschaftliche Erhöhung“ des Gewinners und die „blamable Erniedrigung“ des Verlierers, auch wenn der faire Verlierer immer gute Miene machen wird. Bei einem Spiel wie Menschärgerdichnicht, welches überwiegend durch den Zufall geprägt ist, wird man das Verlieren leichter hinnehmen. Bei einem Spiel wie Schach, welches mit hohem Intellekt und Kombinationsfähigkeit gleichgesetzt wird, besteht das Risiko eines Verlusts des gesellschaftlichen Ansehens eben in diese Fähigkeiten. Das Glückspiel dagegen ist wiederum nicht so auf persönliches Können ausgelegt und unterliegt stark der Zufälligkeit. Hier entsteht der Reiz am Risiko durch den finanziellen Einsatz. Der potentielle totale Verlust des Einsatzes, wenn es sich um reales Geld handelt, wird entsprechend seiner Höhe zur Adrenalinpumpe. In Kombination mit steigenden Gewinnchancen besteht hier erhebliches „Zockerpotential“.
  5. Es gibt eine soziale Komponente, wenn ein realer Gegner mitspielt und nicht der Computer der Gegner ist. Hier geht es um das gemeinsame Erlebnis, über das man sich auch noch im Nachhinein kommunikativ austauschen kann. Kein Fußballspiel ohne Analysen und Interviews vor und nach dem Spiel. Es geht um den Wettbewerb während des Spiels, seine Grenzen kennenzulernen oder aber auch die Fähigkeiten oder Schwachpunkte des Gegners herauszufinden. Nicht unwesentlich dabei ist der Austausch von Emotionen während des Spiels. Der Ärger, wenn man einen gegnerischen Zug beim Schach nicht hat kommen sehen, obwohl dieser doch so offensichtlich war. Oder wenn beim Roulette die Kugel genau eine Ziffer vor der getippten Zahl zum Liegen kommt. Die Freude, wenn im letzten Moment doch noch drei sechsen auf den Würfeln nach oben zeigen. Diese emotionalen Ausbrüche, aber auch sichtlich unterdrückte Emotionen, wie beim Pokern üblich, geben Aufschluss über den Charakter des Gegenüber und Erfüllen damit zum einen den Zweck, dass man sich besser kennen und einschätzen lernt. Außerdem schweißen gemeinsam erlebte Emotionen immer auch zusammen und schaffen somit ein gemeinsames Erlebnis. Und gemeinsame Erlebnisse stärken bekanntlich jede soziale Beziehung.

Fazit zu Positiven und negativen Effekte des Spielens

Ein paar latent vorhandene negative Effekte des Spielens kamen schon zum Vorschein. So kann man beim Verlieren vermeintliches Ansehen verlieren. Oder man kann einen finanziellen Einsatz verlieren. Beim Spiel mit körperlichen Einsatz drohen ggf. physische Verletzungen und beim Glücksspiel ggf. ein finanzieller Verlust. Trotzdem hat Spielen viele positive Facetten. Es regt Fantasie und Kreativität an und hilft somit aus festgefahrenen Denkmustern auszubrechen. Im typischen Rollenspiel werden Fantasiewelten erschaffen. Oder in der Hoffnung des großen Lottogewinnes wird sich träumerisch ausgemalt, wie das Leben als Millionär aussehen würde.

Es werden im Gehirn beim Spielen neue Synapsen geknüpft, was Gehirn-Jogging-Übungen gleichkommt. Darüber hinaus hat Spielen eine entspannende, stressabbauende Wirkung und, wie schon erwähnt, festigt es soziale Bindungen.

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.