Künstliche Intelligenz: Das Ende von Onlinepoker?

Maschinelles Lernen (Machine Learning) besitzt als Teilgebiet Künstlicher Intelligenz (KI) das Potenzial, viele Bereiche des Lebens völlig zu verändern. Poker und Onlinepoker gehören zweifelsfrei zu diesen Bereichen. Pluribus nennt sich der jüngste Meilenstein der Poker spielenden KI. Das Programm konnte als erste KI der Welt mehrere Pokerprofis in einem Mehrpersonenturnier schlagen. Manch einer befürchtet nun das Ende des Onlinepokers. Aber soweit kommt es dann wohl doch nicht.

Ein Sieger: die Poker-KI Pluribus

Entwickelt wurde Pluribus von den Wissenschaftlern Noam Brown und Tuomas Sandholm, die beide in Pittsburgh (USA) an der Carnegie Mellon University arbeiten. Das Programm habe sich „bei über 10.000 gespielten Händen in der Poker-Variante No Limit Texas Hold’em“ häufiger durchgesetzt als die insgesamt sechs menschlichen Spieler, schrieb das IT-News-Portal Golem.de am elften Juli 2019.

Im Training pokerte Pluribus gegen fünf Kopien seiner selbst. Anschließend trat eine Version von Pluribus gegen fünf menschliche Pokerspieler an. In einer Variante des Versuchs spielten fünf virtuelle Spieler gegen einen einzigen Menschen. In beiden Varianten war die KI am Ende der Sieger, der signifikant häufiger gewonnen hat. Dabei hatte es die KI keineswegs mit menschlichen Amateurspielern zu tun.

Zu den menschlichen Gegnern von Pluribus gehörte unter anderem Chris Ferguson. Er hat im Verlauf seiner Pokerkarriere bisher sechs Turniere bei der World Series of Poker (WSOP) gewonnen. Darüber hinaus wurde er in die Liste der 50 besten Spieler der Pokergeschichte aufgenommen, die bei der 50. WSOP erstellt wurde.

Pluribus nutzte maschinelles Lernen

Ein wesentlicher Bereich der KI ist das maschinelle Lernen. Laut der Publikation „Maschinelles Lernen“ des Fraunhofer Instituts wird es in Expertenkreisen als eine „Schlüsseltechnologie der Künstlichen Intelligenz“ bezeichnet. Ein Artikel in der Computerwoche definierte maschinelles Lernen 2018 unter anderem salopp als „die Kunst, einen Computer nützliche Dinge tun zu lassen, ohne ihn ausdrücklich dafür zu programmieren“. Grundsätzlich kann man bei maschinellem Lernen das überwachte und das unüberwachte Lernen unterscheiden. Beim überwachten Lernen kategorisiert die KI beispielsweise Daten und sortiert Bilder in vorgegebene Kategorien wie etwa „Blumen“ ein, wenn auf ihnen eine Blume zu sehen ist. Die richtigen Ergebnisse sind also vorgegeben und der Erfolg (oder Misserfolg) der KI lässt sich dadurch relativ einfach überwachen. Beim unüberwachten Lernen gibt es dagegen keine vorgegebenen Kategorien. Die KI versucht, selbstständig Daten zu kategorisieren.

Pluribus bedient sich des sogenannten Reinforcement-Learning, das zum überwachten Lernen gehört. Es ist eine Art des Lernens auf der Basis von Belohnungen. Die Belohnung ist in diesem Fall der Sieg bei einer Pokerrunde. Pluribus analysierte, welche Spielzüge für das Spiel am erfolgreichsten waren und nutzte diese fortan häufiger. Reinforcement-Learning unterscheidet sich beispielsweise vom sogenannten Deep Learning, das sich mit neuronalen Netzen an der Informationsverarbeitung des menschlichen Hirns orientiert.

Poker ist mehr als nur Glücksspiel

Pluribus brachte einerseits denjenigen, die es noch nicht wussten, die Erkenntnis, dass Poker definitiv mehr ist als ein reines Glücksspiel. Natürlich spielt das Glück beim Pokern immer eine Rolle. Wer allerdings strategisch denkt und Wahrscheinlichkeiten berücksichtigt, kann seine Gewinnchancen deutlich steigern. Das konnten vor der KI bereits zahlreiche Pokerstars beweisen. Andererseits zeigte Pluribus, dass KI es auch mit mehreren Pokerspielern zugleich aufnehmen kann. Das alles hat natürlich auch Einfluss auf die Onlinepokerszene.

Bereits jetzt sehen sich die Betreiber von Onlinepoker-Plattformen durch Spieler herausgefordert, die Poker-Bots für ihr Spiel einsetzen. Legal ist das nicht. Praktisch alle Pokerplattformen im Internet verbieten den Einsatz solcher Bots. Dennoch kommt es hin und wieder vor, dass jemand solch ein Programm für eigene Vorteile nutzt. Klar ist dabei: Je besser die Programme werden und je eher sie auch auf durchschnittlichen Rechnern laufen, desto reizvoller wird der verbotene Einsatz.

Allerdings wird es bei den Poker-Bots wohl auch in Zukunft große Unterschiede geben und selbst ein nur mittelmäßiger menschlicher Pokerspieler hat die Chance, einen schwachen Poker-Bot zu schlagen. Bei richtig guten Programmen ist ein Sieg jedoch mittlerweile schwierig zu erreichen und dürfte künftig noch schwieriger zu erreichen sein. Onlinepoker-Plattformen entwickeln deshalb Abwehrtechniken, um Poker-Bots zu entlarven und den menschlichen Spielern ein faires Spiel zu ermöglichen.

Onlinepoker-Anbieter haben Interesse an Gewinnern

Natürlich können Onlinepoker-Plattformen Poker-KI auch selbst nutzen, um sie gegen menschliche Gegner antreten zu lassen. Eine KI wie Pluribus wäre wohl künftig in der Lage, den Betreibern von Poker-Plattformen bei Spielen gegen menschliche Gegner größtmögliche Gewinne zu sichern. Die überwiegende Zahl der Hobby-Pokerspieler hätte kaum eine Chance, würde man sie gegen die bestmögliche KI antreten lassen.

Manch einer sieht deshalb bereits das Ende des Onlinepokers am Horizont. Aber das ist wohl eher unwahrscheinlich. Onlinepoker-Anbieter täten sich selbst keinen Gefallen, wenn sie eine allzu starke KI gegen Hobbyspieler antreten ließen. Die KI würde zwar nahezu jedes Spiel gewinnen. Aber sie würde auch schnell dafür sorgen, dass die Anzahl der Spieler deutlich abnimmt. Frust ist kein großer Anreiz zum Pokern. Am Ende würden die Onlinepoker-Anbieter also verlieren, weil sie zu häufig gewinnen.

Onlinepoker-Plattformen haben ein ureigenes Interesse an verantwortungsvollen Spielern und sehen sich hier auch selbst in der Verantwortung. Zugleich brauchen sie immer wieder Sieger, damit der Reiz des Pokerns erhalten bleibt. Eine zu starke KI würde ihren Interessen deshalb zuwiderhandeln. Möglich wäre ihr Einsatz aber trotzdem: vielleicht in Form eines Lernprogramms, bei dem die KI den Menschen trainiert? Keine Frage: Es bleibt spannend rund um Onlinepoker und KI.

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